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Kriterium der Minimierung der Konflikte mit weiteren Prinzipien

Wenn zwei Prinzipien A und B in Konflikt zueinander stehen, und wir entscheiden wollen, welches der beiden Prinzipien falsch ist, ist es sinnvoll, den Konflikt nicht isoliert zu betrachten, sondern auch andere Konflikte zu betrachten, in die, neben den hier betrachteten Prinzipien A und B, auch andere Prinzipien C1,...,Ck involviert sind.

Die Entscheidungslinie ist klar: Das Prinzip, welches mit weniger anderen Prinzipien in Konflikt steht, ist der bessere Kandidat und sollte erhalten werden. Wenn also, im einen Extrem, A zu keinem anderen Prinzip in Widerspruch steht, aber B zu mehreren anderen Prinzipien C1,...,Ck, dann spricht dieses Kriterium eindeutig zugunsten des Prinzips A.

Steht jedes der Prinzipien A, B zu anderen in Konflikt, so muss natürlich gewichtet werden. Zu wichten ist dabei die Wichtigkeit der jeweiligen Prinzipien Ci — eine leider höchst subjektive Angelegenheit.

Zu berücksichtigen ist auch, dass das allgemeinere der beiden Prinzipien A, B mehr Chancen hat, mit anderen Prinzipien in Konflikt zu kommen. Dies führt dazu, dass man zusätzlich auch das Kriterium der größeren Allgemeinheit berücksichtigen muss.

Problem der Rücksichtnahme auf frühere Entscheidungen

Wichtig ist, dass man in diesem Fall wenig Rücksicht darauf nehmen sollte, wie die Konflikte zwischen B und den Ci früher entschieden wurden. Es könnte beispielsweise sein, dass Ci allein deshalb abgelehnt wurde, weil es im Konflikt zu B steht. In diesem Fall darf diese frühere Entscheidung zugunsten von B keine Rolle bei der Anwendung dieses Kriteriums spielen.

Dies ist logisch unmittelbar einsichtig, allerdings emotional schwer durchzustehen — schließlich gilt Ci nun einmal als widerlegt, und man ist daher geneigt, dem Widerspruch zwischen B und Ci wenig Gewicht beizumessen.

Hinzu kommt, rein emotional, ein eher gegenteiliger Effekt hinzu. Der Fakt, dass man, aufgrund des früheren Konflikts zwischen B und Ci, das Prinzip Ci verworfen hat, gibt B emotional sogar noch größeres Gewicht: Man hat, psychologisch gesehen, bereits in B "investiert", indem man Ci aufgegeben hat. In der Ökonomie führt der entsprechende Effekt zu einem Verhalten, welches man "gutes Geld schlechtem Geld hinterherwerfen" nennt — statt eine Fehlinvestition rechtzeitig aufzugeben, neigt man dazu, selbst dann weiter in sie zu investieren, wenn man ohne die vorherige Investition auf keinen Fall etwas investieren würde.

Anwendung des Kriteriums

Die folgende Liste der Konflikte mit weiteren Prinzipien spricht eine höchst eindeutige Sprache: Das Kriterium der Minimierung der Konflikte mit weiteren Prinzipien spricht eindeutig zugunsten des Realismus.

Prinzipien, die zum Realismus in Konflikt stehen

Oft wird der Realismus als im Widerspruch zur Quantentheorie stehend postuliert. Dies ist jedoch bewiesenermaßen falsch. Der Beweis ist die Konstruktion der Bohmschen Mechanik, also einer realistischen Theorie, die dieselben Voraussagen macht wie die Quantenmechanik.

Weitere physikalische Prinzipien, die im Konflikt zum Realismus stehen sollen, sind mir nicht bekannt.

Prinzipien, die zum Relativitätsprinzip in Konflikt stehen

Die Liste der Prinzipien, die im Widerspruch zum Relativitätsprinzip stehen, ist lang.

Absolute Zeit und absoluter Raum

Das erste "Opfer" der Speziellen Relativitätstheorie. Nach dem oben zu früheren Entscheidungen gesagten muss es hier aufgelistet werden und wiegt durchaus schwer.

Der auf die Gegenwart fixierte beobachterunabhängige Existenzbegriff

Die klassische Vorstellung von Existenz geht davon aus, dass nur das, was jetzt ist, existiert. Die Zukunft existiert noch gar nicht, die Vergangenheit nicht mehr. Was existiert, verändert sich.

Die Existenz ist eine so grundlegende Eigenschaft, dass sie nicht beobachterabhängig sein kann. Die Beobachterabhängigkeit der Gleichzeitigkeit ist also, wenn man alle Bezugssysteme als gleichwertig in jeder Hinsicht akzeptieren will, das Ende dieses auf die Gegenwart fixierten Existenzbegriffs. Wenn das philosophische Konzept "beobachterunabhängige Existenz" erhalten werden soll, muss die gesamte Raumzeit, also unsere Zukunft wie unsere Vergangenheit, schon bzw. noch jetzt existieren.

Der Äther

also die Suche nach mechanischen bzw. atomaren Modellen für die beobachteten Felder.

Symplektische Struktur und konforme Symmetrie

Die symplektische Struktur in der klassischen Mechanik ist auf dem Phasenraum definiert. Dieser besteht aus Konfigurationsvariablen und Impulsvariablen. Zu den Konfigurationsvariablen gehören die Positionen von Teilchen. Die Zeit spielt eine völlig andere Rolle. Das heißt, die Koordinaten werden auf gleicher Ebene mit den Impulsen behandelt, aber auf völlig anderer Ebene als die Zeit.

Eng verbunden mit der symplektischen Struktur sind konforme Symmetrien — Abbildungen, die die symplektische Struktur erhalten.

Hamiltonformalismus

Die Gleichungen der klassischen Mechanik können auf sehr schöne Art als Hamiltongleichungen dargestellt werden. Diese Darstellung benutzt die symplektische Struktur und ist daher, wie diese, nicht mit der relativistischen Symmetrie kompatibel.

Ein fester Raumzeithintergrund

Dies ist das erste Opfer der Allgemeinen Relativitätstheorie. Nach dem oben zu früheren Entscheidungen gesagten muss es hier aufgelistet werden und wiegt durchaus schwer.

Lokale Energie- und Impulsdichten des Gravitationsfeldes

Dies ist das zweite, bereits ungewollte, Opfer der ART. Es gibt in der ART keine lokalen Energie- und Impulsdichten für das Gravitationsfeld. Genauer gesagt, man kann sie definieren, jedoch bilden sie nur einen sogenannten Pseudotensor. Dieser Pseudotensor reicht aus, um in einem fixierten Koordinatensystem Erhaltungssätze zu beweisen. Nach der Ideologie der ART definiert ein solcher Pseudotensor jedoch keine sinnvolle physikalische Größe.

Begriff des Vakuums und Teilchenbegriff in der semiklassischen QFT

Eine partielle Vereinigung von ART und Quantentheorie — Quantentheorie auf dem Hintergrund einer fixierten Lösung der ART — erfordert einen Verzicht auf die Existenz eines bevorzugten Vakuums bzw. eines bevorzugten Teilchenbegriffs.

Energie-Impuls-Tensor der Hawkingstrahlung

Geht man darüber hinaus — was man muss, wenn man nicht nur die Existenz von Hawkingstrahlung an sich, sondern auch den daraus entstehenden Energieverlust des schwarzen Lochs und dessen daraus folgende Verdampfung berechnen will — muss man Renormierungskonzepte für die Energie der Hawkingstrahlung verwenden, die nicht kovariant sind, also nicht mit den Prinzipien der ART kompatibel sind.

Klassische Quantenmechanik (Schrödingertheorie)

Die prinzipiellen Schwierigkeiten der Quantisierung der ART sind bekannt.

Die Stringtheorie behauptet, dieses Problem gelöst zu haben. Dies ist jedoch eine unvollständige, zweifelhafte Lösung — es wird lediglich eine Theorie erhalten, die den Einsteinschen Gleichungen genügt. Den Symmetrieprinzipien der ART, insbesondere dem Fehlen eines fixierten Raumzeithintergrunds, genügt die Stringtheorie (soweit mir bekannt) nicht.

Theorien mit versteckten Variablen

Wegen der Verletzung der Bellschen Ungleichungen brauchen solche Theorien ein bevorzugtes Bezugssystem und müssen deshalb dem Relativitätsprinzip widersprechen.

Dies betrifft sowohl allgemeine Ideen, was solche Theorien anbetrifft, als auch konkrete Realisierungen wie die Bohmsche Mechanik, Nelsonsche Stochastik usw..

Dies ist zwar eng mit dem Realismus selbst verbunden, wir zählen es hier jedoch mit auf, da die Prinzipien dieser Theorien aus mehr bestehen als nur dem Realismus.

ADM-Dekomposition

Es gibt eine hochinteressante und schöne geometrische Interpretation der ART-Raumzeitmetrik gμν(x,t), die jedoch von der Auswahl eines Koordinatensystems abhängt. Das Gravitationsfeld wird in dieser Dekomposition beschrieben durch eine skalares Feld, ein dreidimensionales Vektorfeld, und eine dreidimensionale positiv-definite Metrik.

Äther-Interpretation der ADM-Dekomposition

Diese Dekomposition erlaubt eine Äther-Interpretation: Das skalare Feld wird als Dichte, das Vektorfeld als Geschwindigkeit, und die Metrik als Spannungstensor interpretiert. Wenn die Koordinaten harmonisch sind, erhalten wir daraus die Kontinuitätsgleichung und die Eulergleichungen der klassischen Kontinuumsmechanik.

Dies ist Teil meiner Allgemeinen Lorentz-Äthertheorie

Äther-Interpretation des Standardmodells der Teilchenphysik

Eine solche dreidimensionale, von einer absoluten Zeitkoordinate abhängige Ätherinterpretation der Fermionen und Eichfelder des Standardmodells der Teilchenphysik – das Zellgittermodell – schlage ich auch vor. Fermionen sind im kontinuierlichen Grenzwert Schnitte des Bündels Aff(3)⊗C⊗Λ(R3), mit einer Diskretisierung gibt es für Aff(3)⊗C(Z3). Die Eichgruppe des Standardmodells kann danach faktisch ausgerechnet werden. Die drei Generationen der Fermionen, die drei Farben der Quarks, und die drei Generatoren des Isospin werden in diesem Modell mit den Raumrichtungen assoziiert.